Schon als ich Winschallan kaufte litt er unter allergisch bedingten, chronischem Husten, sogenanntem COB oder COPD.

Der Tierarzt bei der Ankaufsuntersuchung behauptete jedoch damals, dass es sich bei dem sporadischen Husten Winschis um eine leichte Erkältung handelt.
So wurde Winschi erst einmal auf Erkältung behandelt. Leider veränderte sich sein Zustand auch nach über einem Monat nicht wirklich.

Nach mittlerweile fast 1 1/2 Monaten fuhr ich mein Pferdchen nach Groß-Gerau in die Tierklinik von Herrn Dr. Wiesenecker. Dieser führte eine
Bronchioskopie durch und stellte fest, dass Winschis Gaumensegel krankhaft vergrößert war (wahrscheinlich durch jahrelanges Husten).
Im November 1998 operierten Herr Dr. Wiesenecker und Frau Dr. Lachmann meinen Schimmel und verkleinerten endoskopisch besagtes Gaumensegel, indem sie es mit einer heißen Nadel punktierten, damit sich das Gewebe wieder zusammenzog.
Danach musste ich Winschallan 3 Monate lang Schritt reiten, ausschließlich mit Hackemore und ausschließlich an der frischen Luft - eine echte Erfahrung im Winter !!!


Seitdem hatten wir Winschis Husten im Großen und Ganzen recht gut im Griff. Zwei mal im Jahr machte ich eine 6-wöchige Spritzenkur mit einem Serum, das aus Winschallans Blut hergestellt wurde, um ihn gegen diverse Allergien zu
desensibilisieren .


So vergingen 2 Jahre, ohne dass etwas nennenswertes geschah. Winschi war bis auf die ein oder andere leichte Erkältung fit und so gut wie voll belastbar.

Am Montag, den 12. Februar 2001, geschah dann etwas völlig unerwartetes: Ohne Vorwarnung hatte Winschallan einen sehr schweren
Asthma-Anfall . Seine Nüstern waren geweitet, er pfiff wie ein Teekessel, bekam keine Luft mehr und drohte zu kollabieren.
Nachdem Fr. Dr. Lachmann ihm etwas atemwegserweiterndes gespritzt hatte, bekam Winschi endlich wieder Luft, aber er war sehr schwach. Frau Dr. Lachmann war über den schlechten Zustand meines Schimmels sehr besorgt, eine so rasante Entwicklung von einem chronischen Huster zum Asthmatiker hatte sie noch nie gesehen. Sie nahm Winschallan außerdem Blut ab um einen Allergie-Test (
ELISA-Test ) durchführen zu lassen.

Mit Zustimmung meiner Tierärztin brachte ich Winschallan noch in der selben Woche an die Nordsee zu meiner Freundin Insa.
Als die dortige Tierärztin Winschi am 16. Februar, also nur 4 Tage nach seinem Anfall, untersuchte, hatte das Pferd bereits eine tiefe, deutlich erkennbare
Dampfrinne .
Während Winschis „Kur-Aufenthalt" an der Nordsee traf nach etwa drei Wochen endlich das langersehnte Ergebnis des Allergie-Tests ein. Es wäre wahrscheinlich einfacher aufzuzählen, auf was Winschallan NICHT allergisch war, aber die höchsten Allergie-Werte hatte Winschi bei Hafer, Melasse, Beifuss, Spitzwegerich, Brennnesseln, Eschen, Erlen, Birken, Haselnussbäume ..... (eigentlich fast alle Bäume), Federn, Penicillin und natürlich Staubmilben.

Nach 4 Wochen, am 17. März 2001, holte ich Winschi wieder ab und brachte ihn in sein neues zu Hause nach Sulzbach. Dort hatte er nun eine Außenbox (ohne Stallgasse) mit entstaubten Sägespänen und bekam ausschließlich nasses Heu.
Es war erschreckend zu sehen, wie Winschallan sich in den vier Wochen seit seines ersten Anfalls verändert hatte: Er war abgemagert, sein Fell war glanzlos und struppig, und er war völlig phlegmatisch.
Leider musste ich schon nach wenigen Tagen feststellen, dass der Kur-Aufenthalt in Ostfriesland keine Wunder bewirkt hatte (auf die ich insgeheim gehofft hatte). Kaum eine Woche nach seiner Rückkehr hatte Winschallan erneut einen Asthma-Anfall. Dies wiederholte sich durchschnittlich 2 mal pro Woche.
Meine Tierärztin konnte auch nichts weiter machen, als Winschallan etwas zu spitzen, das ihm das atmen erleichterte. Außerdem bekam er 3x täglich Ventipulmin, das die Atemwege erweitern sollte.

Am 3. April brachten wir Winschi erneut nach Groß-Gerau in die Klinik, um eine Bronchoskopie durchzuführen, damit wir feststellen konnten in wie weit die Lunge bereits geschädigt war.
Außerdem machten wir ein EKG und ein Herzultraschall, um eine Schädigung des Herzens ausschließen zu können.
Das Herz war glücklicherweise völlig in Ordnung, aber die Bronchien waren in einem sehr schlechten Zustand und der Sauerstoff-Gehalt des Blutes war alarmierend gering.
Außerdem litt Winschallan unter einem starken
Streptokokken - und Pseudomonaden -Befall (Bakterien) in der Lunge.

Nachdem Winschallan nun bereits seit 1 1/2 Monaten mit Ventipulmin und ACC behandelt worden war (was nur Erleichterung, jedoch keine Heilung brachte), kontaktierte ich eine
Tierheilpraktikerin .
Diese führte innerhalb von 14 Tagen 4 Akupunktur-Sitzungen durch und deckte mich mit einer beachtlichen Auswahl an Tröpfchen ein, die Winschallan helfen sollten.
Leider brachte auch dies nicht unbedingt das gewünschte Ergebnis, im Gegenteil. Regelmäßig einen Tag nach den Akupunkturen hatte Winschi sehr starke Asthma-Anfälle.
Da ich es nicht mehr verantworten konnte Winschallan auch noch diese zusätzlichen Leiden zuzufügen brach ich nach knapp einem Monat die homöopathische Behandlung ab.

Am 7. Juni, meinem Geburtstag, hatte Winschallan den bislang schlimmsten und längsten Asthma-Anfall. Da meine Tierärzte beide in der Klinik unabkömmlich waren (es ist immer ungünstig eine OP zu unterbrechen), brachte ich Winschi abermals nach Groß-Gerau.
Dort stand er exakt eine Woche. In dieser Zeit baute er immer weiter ab und hielt das Klinik-Personal ständig (auch nachts) mit immer wiederkehrenden Anfällen auf Trab.
Selbst Schritt-Spaziergänge fielen ihm schwer und nach etwa 10 Minuten war er außer Atem und konnte nicht mehr.
Am 15. Juni 2001, um 21:50 Uhr, erlöste Herr Dr. Wiesenecker Winschallan von seinen Leiden.

Hier sind zwei sehr informative Artikel
über chronischen Husten bei Pferden:

Aus: Atemwegs-Erkrankungen des Pferdes
von Peter Gray

Aus: Handbuch der Pferdekrankheiten
von Dr. med. vet. m. Pick